Firmen und Sportklubs rüsten ihre Anlagen mit Fieber-Screenern auf

Mit neuen Methoden wollen verschiedene Schweizer Firmen verhindern, dass sie zu Corona-Hotspots werden: Angestellten mit erhöhter Körpertemperatur wird der Zutritt zum Firmengelände verweigert.

Fieber gehört zu den häufigsten Krankheitssymptomen bei Covid-19. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie gilt die automatisierte Messung der Körpertemperatur als eine der Massnahmen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen oder zu stoppen. Das sogenannte Fieber-Screening, das in China seit langem gang und gäbe ist, setzt sich jetzt auch in der Schweiz immer mehr durch. Bei diesen Tests wird die Körpertemperatur mit Infrarotgeräten beim Passieren automatisch gemessen. In Europa waren solche Anlagen bisher vor allem von Flughäfen bekannt. Nun kommen sie vermehrt auch in Unternehmen, Hotels oder öffentlich zugänglichen Arealen zum Einsatz.

Insbesondere dort, wo viele Personen auf engem Raum zusammenkommen, sind die Infrarot-Wärmebild-Systeme gegenwärtig stark gefragt. So setzte der FC Luzern an sieben Meisterschaftsspielen automatische Fieber-Scanner ein, um potenziell an Covid-19 erkrankten Personen den Zugang zum Stadion verweigern zu können. Die Tests seien positiv verlaufen und hätten dazu beigetragen, den Zugang zum Stadion zu beschleunigen: «Auf diese Weise konnten wir bei mehreren Personen gleichzeitig die Temperatur messen, ohne ihnen auf den Leib rücken zu müssen», sagt der FCL-Mediensprecher Markus Krienbühl.

Ob der Fussballklub das System in der kommenden Saison definitiv einführt, hängt einerseits von den Kosten ab. Eine Infrarotkamera inklusive Software kostet rund 8000 bis 10 000 Franken. «Andererseits warten wir ab, welche Auflagen uns der Schweizerische Fussballverband in seinem Schutzkonzept macht», betont Krienbühl. Eine entsprechende Empfehlung des SFV wird es wahrscheinlich nicht geben. «Nach Absprache mit dem Bundesamt für Gesundheit halten wir dies nicht für zielführend», sagt der Verbandssprecher Philippe Guggisberg. Die Eishockey National League empfiehlt in ihrem Rahmenschutzkonzept, eine Infrastruktur für das Messen der Temperatur bei der Eingangskontrolle aufzubauen. Eine Verpflichtung dafür ist derzeit nicht vorgesehen. Das Schutzkonzept soll am kommenden Freitag verabschiedet werden.

Täglich gehen Anfragen ein

Verschiedene Anbieter, mit denen sich die NZZ unterhalten hat, verzeichnen in den letzten Wochen und Monaten in der Schweiz eine markant ansteigende Nachfrage. So konnte die Interha GmbH mehrere Anlagen an Schweizer Grossmetzgereien vermitteln. Diese gelten seit dem Corona-Ausbruch beim deutschen Fleischverarbeiter Tönnies als Treiber der Corona-Pandemie. Die Firma Aptex mit Sitz in Zürich erhält täglich Anfragen für Fieber-Screening-Anlagen, die meisten davon von Unternehmen, die die Körpertemperatur ihrer Angestellten messen wollen.

Ähnlich ist es bei Spetec AG, einem auf Gebäudetechnik spezialisierten Unternehmen aus Kloten. In den meisten Fällen interessierten sich die Firmen laut Rolf Lustenberger, dem Projektleiter Sicherheit bei Spetec, für relativ einfache Stand-alone-Anlagen, die sich auf die Messung der Temperatur beschränken. Auch Weltkonzerne interessieren sich: So bestätigt Unilever Recherchen der NZZ, wonach an allen Standorten für Mitarbeiter und Besucher eine Messung erfolgen müsse: Derzeit würden sukzessive automatische Anlagen installiert. In der Schweiz sind die Standorte Thayngen und Steinhausen mit 250 Mitarbeitern betroffen.

Die Pilatus-Flugzeugwerke im nidwaldnerischen Stans nehmen am Mittwoch eine Anlage in Betrieb, die die Körpertemperatur sämtlicher 2200 Mitarbeiter beim Eintritt auf das Firmengelände automatisch misst. Auch Besucher und Kunden dürfen das Areal nur betreten, wenn ihre Temperatur weniger als 37,7 Grad beträgt. Die Daten werden während 14 Tagen gespeichert, ohne dass sich die Mitarbeiter dagegen zur Wehr setzen können. Die Technik ist jedoch noch viel weiter fortgeschritten: So ermöglichen es Anlagen der Firma Aptex, die auch die Pilatus-Werke beliefert, automatisch Alarm auszulösen, wenn Personen mit erhöhter Körpertemperatur festgestellt werden. Auf solche Funktionen verzichtet Pilatus allerdings.

Der Einsatzbereich von Fieber-Screening ist aber beinahe unbeschränkt. So werben Hotels auf Buchungsportalen schon heute damit, dass beim Personal routinemässig Fieber gemessen werde. Laut Lustenberger häufen sich ausserdem Anfragen von Veranstaltern, die die Körpertemperatur von Teilnehmern und Gästen vor dem Einlass in den Saal erheben wollen. Dabei handelt es sich in der Regel um mobile Anlagen. In solchen Fällen werde zusätzlich ein Sicherheitsdienst eingesetzt, der dafür sorge, dass niemand mit Fieber Einlass erhalte.

Auch in Klubs, die wegen Superspreader-Events immer wieder in den Schlagzeilen stehen, kommen gemäss Reto Purtschert, Geschäftsführer der Interha GmbH, mobile Anlagen zum Einsatz. Bei der Glarner Landsgemeinde am 13. September sollen ebenfalls Fieber-Scanner zum Einsatz kommen. Personen mit Fieber (mehr als 38 Grad Celsius) werden weggewiesen. Laut Aussagen von Anbietern haben sich auch bereits vereinzelte Schulen erkundigt. Diese haben vorerst aber auf die Anschaffung von Screening-Anlagen verzichtet.

Weltweiter Boom

Die Technik und Software ihrer Produkte stammt gemäss dem Aptex-Geschäftsführer Ali Farhat aus China. Chinesische Firmen sind denn auch führend in der Entwicklung von Infrarot-Fieber-Screening-Systemen. Seit 2003 die Lungenkrankheit Sars aufgetaucht ist, werden die Geräte ständig weiterentwickelt. «Heute, 17 Jahre später, können wir nun Wärmebildkameras herstellen, die von KI und Gesichtserkennungstechnologien betrieben werden, um auf weitläufigen Flächen schnelle und akkurate Temperaturmessungen durchzuführen», erklärte Huang Li Ende Mai. Huang ist Chairman von Guide Infrared, einem der führenden Unternehmen dieser Branche. Die Corona-Pandemie verhilft der Branche nun zu einem weltweiten Boom. So konnte Guide Infrared seinen Umsatz im ersten Quartal 2020 um fast das Zwanzigfache erhöhen.

Quelle: NZZ – Erich Aschwanden, Daniel Gerny
https://www.nzz.ch/schweiz/schweiz-firmen-ruesten-ihre-anlagen-fuers-fieber-screening-auf-ld.1570709

Gesamtausgabe: Neue Zürcher Zeitung_2020-08-12
https://www.aptex.ch/wp-content/uploads/2020/08/Gesamtausgabe_Neue_Zuercher_Zeitung_2020-08-12.pdf

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